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1.04.2004

Neue Luzerner Zeitung

Tourismus-Award 2004 für Hermann Heller
Unermüdlicher Kämpfer für die Dampfer und den Rotsee

Walter Schnieper

 

Gestern erhielt Hermann Heller den Tourismus-Award 2004. Mit Grund: Er hat den Rotsee zum Mekka der Ruderer gemacht und die Dampferrettung angeführt.

Dass man ihn mit dem Tourismus-Award beehrt, quittiert Hermann Heller mit Schmunzeln, aber ihm ist klar: «Tourismus ist entscheidend für Luzern, dazu muss man Sorge tragen und ihn fördern, wo und wie immer es möglich ist.» Und schiebt nach: «Die Dampfer und der Rotsee sind Trümpfe für Luzern.» Dass Luzern diese Trümpfe hat, ist ein wesentliches Verdienst von Hermann Heller, oder besser: von Hermann Hellers Hobbys. Ausgangspunkt ist die Adligenswilerstrasse 35, etwas oberhalb des Hotels Montana, wo Hermann Heller – die aktuelle Fahrordnung der Schifffahrtsgesellschaft wie den Feldstecher stets griffbereit – Dampfer und Motorschiffe heute noch verfolgt.
« Ich erkannte schon als Vierjähriger alle Dampfer, wenn sie beim Meggenhorn auftauchten», erinnert sich der vife 85-Jährige. «Ich wurde immer gefragt, woran, das aber wusste ich nicht, ich kannte die Dampfer einfach.»


Anstoss für Volkserhebung
Die ersten grossen Motorschiffe, «Waldstätter» und «Titlis» begrüsste auch Hermann Heller: »Sie halfen der SGV aus den roten Zahlen.» Doch als die letzten sechs Dampfer auch auf die Abbruchliste kamen, regte sich Hermann Heller auf und meinte auf der Jungfernfahrt des Motorschiffs «Gotthard» Anfang der Siebzigerjahr zu seinem Freund und LNN-Redaktor-Kollegen Arnold Amstutz: «Jetzt wollen sie den Dampfer «Wilhelm Tell» aus dem Verkehr ziehen, das wäre eine kleine Volkserhebung wert!»
Amstutz schrieb den Satz, und die Erhebung begann. Hermann Heller wurde Gründungspräsident der Vereinigung zur Rettung der Vierwaldstättesee-Raddampfer, der heutigen Dampferfreunde, die eben wieder die «Gallia»-Sanierung mitfinanziert haben. «LNN-Verlegerin Alice Bucher hatte mich vorgeschlagen», lacht Hermann Heller und erinnert sich: «Martin Merki und ich haben dafür gesorgt, dass es an Leserbriefen nicht mangelte.» Schreibende einspannen, das war stets Hellers Talent.
Der Dampferfan, das zur Erinnerung, wurde elf Jahre nach dem ersten Protest gegen die Dampferliquidation Präsident der Schifffahrtsgesellschaft, blieb es bis 1992 und nimmt heute noch engagiert Anteil am Lauf der Dinge bei der SGV. Am 1. Mai wird er an der zweiten Jungfernfahrt der «Gallia» dabei sein.
Für die Regatten gerudert
Hermann Heller war sein Leben lang ein leidenschaftlicher Freizeit-Ruderer. Mitglied des Seeclubs Luzern. Er erlebte frühe Regatten auf dem Vierwaldstättersee – etwa vom begleitenden Dampfer «Italia» aus. Doch oft war es stürmisch, die Rennen irregulär. Die Ruderer entdeckten den Rotsee als ideale Alternative. Aber dort fanden die Regatten mehr und mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
1955 wurde Hermann Heller das Präsidium des Regattavereins angetragen. Er sagte zu, liess sein Beziehungsnetz zu Redaktoren und Journalisten spielen, lud diese nach Luzern ein und lancierte die Idee vom Rotsee als Göttersee für Ruderer. «Auf der Hausermatte an den Concours hippique habe ich gesehen, dass auch gesellschaftlich etwas geboten werden muss, Champagner inklusive.» Heller organisierte Empfänge auf Schlössern wie Heidegg oder Mauensee oder im Park Hotel Vitznau, später Regatta-Bälle, «mit meinem Jugendfreund Hazy Osterwald und seinem Orchester als Attraktion.»
Plötzlich gab es ausverkaufte Regatten, 8 000 Zuschauer an einem Tag sowie eine immer bessere Infrastruktur. Es entstand ein Zielhaus und schliesslich das Ruderzentrum. Hermann Heller wirkte stets als Geldbeschaffer und sorgte für gebührendes Medienecho.


1962 erste WM auf dem Rotsee
1960 wollte der Welt-Ruderverband erstmals eine Ruder-WM. In Rom tagten die Delegierten, in Rom war Hermann Heller als «Tagblatt»-Redaktor, zusammen mit Stadtpräsident Paul Kopp. Luzern erhielt den Zuschlag für die erste WM, die 1962 auf dem Rotsee stattfand. Am Finaltag waren 45 000 Zuschauer am Rotsee, unter ihnen US-Vizepräsident Richard Nixon und weitere Prominenz zuhauf. Die Einnahmen ermöglichten dem nur 25-köpfigen Komitee die Rückzahlung von Subventionen, gar die Ausschüttung von Beiträgen an Ruderklubs und Verbände, die sich zuvor gescheut hatten, das Risiko mitzutragen. Der Überschuss ging an die noch immer existierende Stiftung zu Erhaltung des Ruderzentrums Rotsee. Es gab gar eine WM-Briefmarke. Zurückblickend lacht Hermann Heller: «Jetzt werde ich geehrt, dabei waren das bloss meine Hobbys.»
Er schaut auf den See hinunter, freut sich und sagt: «Die Saison beginnt, vorgestern haben sie die «Stadt Luzern» aufgeheizt.» Hermann Heller hat seine Dampfer noch immer unter Kontrolle.

HERMANN HELLER

Redaktor, Politiker
• Hermann Heller, geboren 1919 in Luzern, war 1945 – 1967 Inlandredaktor am ehemaligen «Luzerner Tagblatt», danach 20 Jahre vollamtlicher Bürgerrat der Stadt Luzern. In dieser Funktion realisierte er den Bau der neuen Luzerner Betagtenzentren und vieler Alters- und Jugendwohnungen, dank geschickter Landverkaufs- und Erschliessungspolitik ohne Mehrbelastung für die Steuerzahler und übrigens auch ohne jegliche Kreditüberschreitungen.
• Heller war 20 Jahre liberaler Grossrat (1971 Präsident), Oberst der Artillerie und 1955 – 1963 Präsident des Regattavereins Luzern. Unter seiner Ägide enstand das Ruderzentrum Rotsee. Er war OK-Präsident der ersten Ruder-WM, die 1962 auf dem Rotsee stattfand.
• 1972 – 1987 führte er die Vereinigung zur Rettung der Vierwaldstättersee-Raddampfer an.



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