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Gestern
erhielt Hermann Heller den Tourismus-Award 2004. Mit Grund:
Er hat den Rotsee zum Mekka der Ruderer gemacht und die Dampferrettung
angeführt.
Dass
man ihn mit dem Tourismus-Award beehrt, quittiert Hermann Heller
mit
Schmunzeln, aber ihm ist klar: «Tourismus ist
entscheidend für Luzern, dazu muss man Sorge tragen und
ihn fördern, wo und wie immer es möglich ist.» Und
schiebt nach: «Die Dampfer und der Rotsee sind Trümpfe
für Luzern.» Dass Luzern diese Trümpfe hat, ist
ein wesentliches Verdienst von Hermann Heller, oder besser: von
Hermann Hellers Hobbys. Ausgangspunkt ist die Adligenswilerstrasse
35, etwas oberhalb des Hotels Montana, wo Hermann Heller – die
aktuelle Fahrordnung der Schifffahrtsgesellschaft wie den Feldstecher
stets griffbereit – Dampfer und Motorschiffe heute noch
verfolgt.
«
Ich erkannte schon als Vierjähriger alle Dampfer, wenn sie
beim Meggenhorn auftauchten», erinnert sich der vife 85-Jährige. «Ich
wurde immer gefragt, woran, das aber wusste ich nicht, ich kannte
die Dampfer einfach.»
Anstoss für Volkserhebung
Die ersten grossen Motorschiffe, «Waldstätter» und «Titlis» begrüsste
auch Hermann Heller: »Sie halfen der SGV aus den roten
Zahlen.» Doch als die letzten sechs Dampfer auch auf die
Abbruchliste kamen, regte sich Hermann Heller auf und meinte
auf der Jungfernfahrt des Motorschiffs «Gotthard» Anfang
der Siebzigerjahr zu seinem Freund und LNN-Redaktor-Kollegen
Arnold Amstutz: «Jetzt wollen sie den Dampfer «Wilhelm
Tell» aus dem Verkehr ziehen, das wäre eine kleine
Volkserhebung wert!»
Amstutz schrieb den Satz, und die Erhebung begann. Hermann
Heller wurde Gründungspräsident der Vereinigung zur Rettung
der Vierwaldstättesee-Raddampfer, der heutigen Dampferfreunde,
die eben wieder die «Gallia»-Sanierung mitfinanziert
haben. «LNN-Verlegerin Alice Bucher hatte mich vorgeschlagen»,
lacht Hermann Heller und erinnert sich: «Martin Merki und
ich haben dafür gesorgt, dass es an Leserbriefen nicht mangelte.» Schreibende
einspannen, das war stets Hellers Talent.
Der Dampferfan, das zur Erinnerung, wurde elf Jahre nach dem
ersten Protest gegen die Dampferliquidation Präsident der
Schifffahrtsgesellschaft, blieb es bis 1992 und nimmt heute noch
engagiert Anteil am Lauf der Dinge bei der SGV. Am 1. Mai wird
er an der zweiten Jungfernfahrt der «Gallia» dabei
sein.
Für die Regatten gerudert
Hermann Heller war sein Leben lang ein leidenschaftlicher
Freizeit-Ruderer. Mitglied des Seeclubs Luzern. Er erlebte
frühe Regatten
auf dem Vierwaldstättersee – etwa vom begleitenden
Dampfer «Italia» aus. Doch oft war es stürmisch,
die Rennen irregulär. Die Ruderer entdeckten den Rotsee
als ideale Alternative. Aber dort fanden die Regatten mehr und
mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
1955 wurde Hermann Heller das Präsidium des Regattavereins
angetragen. Er sagte zu, liess sein Beziehungsnetz zu Redaktoren
und Journalisten spielen, lud diese nach Luzern ein und lancierte
die Idee vom Rotsee als Göttersee für Ruderer. «Auf
der Hausermatte an den Concours hippique habe ich gesehen, dass
auch gesellschaftlich etwas geboten werden muss, Champagner inklusive.» Heller
organisierte Empfänge auf Schlössern wie Heidegg oder
Mauensee oder im Park Hotel Vitznau, später Regatta-Bälle, «mit
meinem Jugendfreund Hazy Osterwald und seinem Orchester als Attraktion.»
Plötzlich gab es ausverkaufte Regatten, 8 000 Zuschauer
an einem Tag sowie eine immer bessere Infrastruktur. Es entstand
ein Zielhaus und schliesslich das Ruderzentrum. Hermann Heller
wirkte stets als Geldbeschaffer und sorgte für gebührendes
Medienecho.
1962 erste WM auf dem Rotsee
1960 wollte der Welt-Ruderverband erstmals eine Ruder-WM.
In Rom tagten die Delegierten, in Rom war Hermann Heller
als «Tagblatt»-Redaktor,
zusammen mit Stadtpräsident Paul Kopp. Luzern erhielt den
Zuschlag für die erste WM, die 1962 auf dem Rotsee stattfand.
Am Finaltag waren 45 000 Zuschauer am Rotsee, unter ihnen US-Vizepräsident
Richard Nixon und weitere Prominenz zuhauf. Die Einnahmen ermöglichten
dem nur 25-köpfigen Komitee die Rückzahlung von Subventionen,
gar die Ausschüttung von Beiträgen an Ruderklubs und
Verbände, die sich zuvor gescheut hatten, das Risiko mitzutragen.
Der Überschuss ging an die noch immer existierende Stiftung
zu Erhaltung des Ruderzentrums Rotsee. Es gab gar eine WM-Briefmarke.
Zurückblickend lacht Hermann Heller: «Jetzt werde
ich geehrt, dabei waren das bloss meine Hobbys.»
Er schaut auf den See hinunter, freut sich und sagt: «Die
Saison beginnt, vorgestern haben sie die «Stadt Luzern» aufgeheizt.» Hermann
Heller hat seine Dampfer noch immer unter Kontrolle.
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HERMANN
HELLER
Redaktor,
Politiker
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Hermann Heller, geboren 1919 in Luzern, war 1945 – 1967
Inlandredaktor am ehemaligen «Luzerner Tagblatt»,
danach 20 Jahre vollamtlicher Bürgerrat der Stadt Luzern.
In dieser Funktion realisierte er den Bau der neuen Luzerner
Betagtenzentren und vieler Alters- und Jugendwohnungen, dank
geschickter Landverkaufs- und Erschliessungspolitik ohne Mehrbelastung
für die Steuerzahler und übrigens auch ohne jegliche
Kreditüberschreitungen.
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Heller war 20 Jahre liberaler Grossrat (1971 Präsident),
Oberst der Artillerie und 1955 – 1963 Präsident des
Regattavereins Luzern. Unter seiner Ägide enstand das Ruderzentrum
Rotsee. Er war OK-Präsident der ersten Ruder-WM, die 1962
auf dem Rotsee stattfand.
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1972 – 1987 führte er die Vereinigung zur Rettung
der Vierwaldstättersee-Raddampfer an.
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