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18. April 2005
Neue Luzerner Zeitung

 

Edwin und Rosmarie Schmidli
Abschied vom Gastro-Imperium

von Pirmin Bossart

Seit mehr als 20 Jahren sind Edwin und Rosmarie Schmidli als Wirte tätig. Kürzlich sind sie für ihre Verdienste im Tourismus geehrt worden.

Wir haben uns im Bahnhofbuffet Luzern verabredet. Die Angestellten bedienen für einmal ihre obersten Chefs. Edwin und Rosmarie Schmidli sind seit bald 20 Jahren für die Restaurantbetriebe im Luzerner Bahnhof verantwortlich. Daneben führen sie seit 1981 die Gastronomie der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV), ein Betrieb mit 3000 Plätzen. Für dieses langjährige Engagement in zwei Tourismusbereichen hat das Gastro-Ehepaar vom Tourismus-Forum den diesjährigen Tourismus-Award erhalten. Das hat sie überrascht, wie sie gestehen. «Wir fühlen uns sehr geehrt.»

300 Beschäftigte
Wie funktionieren sie als Team? Er sei der Frontmann und Verkäufer, seine Frau führe das Backoffice und besorge das Rechnungswesen. «Etwa so, nicht?», Schmidli lacht, seine Frau nickt. Natürlich sei man sich bei der Ausrichtung der Betriebe ab und zu in die Haare geraten. «Aber wir haben die Differenzen immer gut ausgetragen.» Ohne diese Teamarbeit, hält der Restaurateur fest, «hätten wir unser kleines Gastroimperium nicht aufbauen können». Von 1966 bis 1974 führten die beiden das Hotel Kolping. Ab 1974 arbeitete Schmidli als Ökonom und Verwalter der Dienstleistungsbetriebe bei der Bürgergemeinde.

140 Mitarbeiter und 80 Aushilfen sind während der Saison in der Schmidli-Schiffsgastronomie tätig. Nochmals 140 Festangestellte arbeiten in den Bahnhofbetrieben mit. «Wir haben die Schiffsgastronomie auf Vordermann gebracht, vorher lief da nicht viel.» Nach zehn Jahren war der Umsatz 1991 auf das bisherige Rekordergebnis von 12 Millionen Franken gestiegen.

Gutes und Kritisches
Ihre Absicht preiswerte und qualitativ hoch stehende Kost anzubieten, hätten sie offenbar erfüllt, sind Edwin und Rosmarie Schmidli überzeugt. Davon zeugten viele gute Feedbacks. Aber es gab doch auch kritische Stimmen? «Natürlich kam es bei über zwei Millionen Gästen vor, dass jemand seine Bratwurst nicht mehr ganz heiss bekommen hat. Aber in solchen Fällen habe ich mich immer persönlich entschuldigt», sagt Schmidli. Seine Frau ist stolz darauf, dass sie bei den Lieferanten so gut wie möglich Luzerner Betriebe unterstützt hätten. Beispiel Bier: «Wir sagten uns, in den Luzerner Bahnhof gehört Eichhof-Bier und nicht Warteck, und wir haben das durchsetzen können.»

«Das plagt mich noch immer»
Apropos Bahnhof: Mehrmals sind die Schmidlis mit ihren Bahnhof-Restaurants in negative Schlagzeilen geraten. Weil sie abgelaufenes Bier verkauft haben sollen, weil die Polizei gratis alkoholfreie Getränke beziehen konnte und weil im «Traffic» eine Zeit lang Schwarze keinen Alkohol erhielten. Was sagen sie heute dazu? «Das plagt mich noch immer, weil vieles zu verzerrt dargestellt worden ist», kommentiert Rosmarie Schmidli. Bei den Schwarzen sei ein Fehler unterlaufen, und dafür habe man sich entschuldigt.

Auf Ende Jahr geben die beiden ihre Gastro-Monopole endgültig ab und gehen in Pension. Die SGV will die Gastronomie selber betreiben. Ihr Sohn Martin Schmidli wird die Bahnhof-Restaurants weiterführen. Sorgen, dass es ihnen langweilig sein könnte, haben sie nicht. «Wir sind bereits am Vorbereiten und golfen schon heftig», lacht Schmidli. Wenn es soweit ist, wird auch der Tourismus-Award vom Büro in ihr Zuhause gezügelt.